Seit gut zwei Jahren bietet der VKD neuen Mitgliedern, die am Anfang ihres Berufslebens als Konferenzdolmetscher stehen, die Möglichkeit zur Teilnahme an seinem Nachwuchsprogramm an. Dieses Programm wollen wir heute vorstellen: mit einem Interview, das Kurier-Redakteurin Nadine Dönike mit den Teilnehmern Julia Scharping (Mentee) und Yan-Christoph Pelz (Mentor) geführt hat. Im Anschluss daran berichten die Mentees Nathalie Kunkel und Christine Grigull über ein Treffen der Teilnehmer des Nachwuchsprogramms 2009 in Frankfurt.
Hallo Julia, hallo Yan-Christoph – ihr habt euch als Mentee und Mentor für das Nachwuchsprogramm des VKD gemeldet. Schön, dass ihr euch heute die Zeit für den Kurier genommen habt. Darf ich euch bitten, euch kurz vorzustellen?
Julia: Mein Name ist Julia Scharping, ich bin Diplom-Dolmetscherin (KDA) in Soest und habe meine Ausbildung an der Universität des Saarlandes gemacht, wo ich 2008 mit der Diplomarbeit abgeschlossen habe. Seit August 2008 bin ich selbstständige Dolmetscherin. Meine Arbeitssprachen sind Englisch (B) und Spanisch (C). Auf das Nachwuchsprogramm bin ich auf der Webseite des VKD aufmerksam geworden, und seit Anfang des Jahres bin ich nun in einem zweijährigen Tandem mit meinem Mentoren Yan-Christoph Pelz.
Yan-Christoph: Ich bin Yan-Christoph Pelz, komme aus Köln und arbeite als Konferenzdolmetscher in den Sprachen Englisch und Französisch (beides B-Sprachen). Im VKD bin ich seit 2000. Das Nachwuchsprogramm kenne ich noch aus der Pilotphase durch Ralf Pfleger. Ich war davon so überzeugt, dass ich mich auch in dieser Runde als Mentor gemeldet habe.
Ihr habt euch also beide unabhängig voneinander für das Nachwuchsprogramm gemeldet. Wer hat euch zusammengebracht?
Julia: Die Paare werden nach Wohnsitz und Arbeitssprache zusammengestellt. Aufgrund der örtlichen Nähe zwischen Soest und Köln wurden wir als Partner in einem Tandem vermittelt und bei der JMV im Januar in Kassel einander vorgestellt. Außerdem haben wir mit Englisch beide dieselbe B-Sprache.
Habt ihr euch auf Anhieb gut verstanden?
Yan-Christoph: Durchaus, das ging ganz schnell. Bei dem Treffen in Kassel gab es eine Art Fragebogen, aufgrund dessen uns schnell klarwurde, dass wir dieselben Erwartungen an das Mentorenprogramm haben.
Sicherlich gab es viele Dinge zu regeln?
Yan-Christoph: Wir haben uns nach dem ersten Kennenlernen zweimal in Köln getroffen und grundlegende Fragen geklärt und uns näher kennengelernt.
Julia: Ja, diese ersten Treffen waren besonders lang, denn ich habe Yan-Christoph regelrecht "ausgequetscht". Mittlerweile sind wir regelmäßig in E-Mail-Kontakt, in den letzten Monaten haben wir uns zusätzlich öfter am Telefon gesprochen.
Yan-Christoph: Das Schöne an unserem Tandem ist, dass wir uns einig sind: Wenn bei mir beruflich viel los ist, dann verschieben wir ganz einfach einen Termin oder Julia spart sich die Fragen auf bzw. schickt sie per E-Mail, die ich dann beantworte, wenn ich wieder mehr Zeit habe. Das lässt sich ganz einfach regeln.
Glaubt ihr, dass es bei anderen Tandems genauso reibungslos läuft?
Yan-Christoph: Ich denke schon, ja. Wir waren im Juli auf einem Treffen mit allen Mentoren und Mentees. Dort haben wir festgestellt, dass es bei den anderen Tandems ganz ähnlich verläuft, was zum Beispiel die Dichte von Treffen und Kontakten angeht. Es scheint eine ziemlich homogene Gruppe zu sein, bei der die Zusammenarbeit stimmt und alle mit viel Freude und Engagement dabei sind.
Julia: Bei diesem Treffen wurde übrigens auch ein Seminar zum Thema Kostenkalkulation von Julia Böhm angeboten, das wir beide als sehr interessant angesehen haben und welches eine angeregte Diskussion zwischen Yan-Christoph und mir nach sich gezogen hat.
Welche Fragen beschäftigen dich denn am meisten, Julia?
Julia: Am Anfang hatte ich eher allgemeinere Fragen, was beispielsweise Networking, Kundenakquise oder Angebotserstellung angeht. Und später kamen dann schon speziellere Fragen, wie Yan-Christoph beispielsweise fürs Alter vorsorgt und welche Versicherungen er abgeschlossen hat. Es ist schon schön, einen „alten Hasen“ an der Hand zu haben, dem man solche Fragen stellen kann!
Yan-Christoph: Die Fragen kommen oft spontan. Dabei ist es einzig und allein dem Tandem vorbehalten, welche Fragen geklärt werden, und vor allem, welche Fragen der Mentor bereit oder in der Lage ist, zu beantworten. Es gibt durchaus auch Fragen, bei denen ich selbst recherchieren muss!
Bist du denn als Mentor stark eingeschränkt in deinem beruflichen Alltag?
Yan-Christoph: Überhaupt nicht. Ich finde sogar, dass Julias Fragen für mich wie eine Art TÜV sind. Denn nur so kann ich überprüfen, ob auch ich für mich selbst an alles gedacht habe, ob meine Altersvorsorge ausreichend abgedeckt ist und so weiter. Insofern profitieren beide davon: Mentor und Mentee.
Lieber Julia, lieber Yan-Christoph, vielen Dank für das offene und freundliche Gespräch.
Das Interview führte Nadine Dönike, Abdruck im VKD-Kurier Nr. 3 / Oktober 2009
In familiärer Atmosphäre trafen sich die Teilnehmer der 2. Auflage des Nachwuchsprogramms am 11. Juli 2009 in Frankfurt am Main. Das Nachwuchsprogramm bietet über eine Projektdauer von zwei Jahren 10 KDA die Möglichkeit einer Begleitung durch einen erfahrenen Konferenzdolmetscher auf den ersten Schritten ins Berufsleben.
Nachdem sich die Tandems im Januar 2009 auf der Jahresmitgliederversammlung in Kassel gebildet und in der ersten Jahreshälfte kennengelernt hatten, diente dieses 2. offizielle Treffen der gemeinsamen Weiterbildung zum Thema Kostenkalkulation, sowie dem Austausch in größerer Gruppe.
Julia Böhm eröffnete das Treffen mit ihrem informativen Vortrag „Kostenkalkulation“, der bereits den Anstoß zu ersten lebhaften Diskussionen rund um Akquise, Vorsorge und Honorarpolitik gab. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal im Namen aller herzlich bei der Referentin für die gelungene Mischung aus Fachwissen und persönlicher Erfahrung bedanken!
Der Nachmittag begann mit einer Zwischenbilanz der jeweiligen Tandems. Die Erfahrungsberichte waren durchweg positiv: Es wurde berichtet von regelmäßigen Treffen, regem Telefon- und Emailkontakt und in einem Fall von einem gemeinsamen Dolmetscheinsatz.
Anschließend stellte Vivi Bentin, die Programmkoordinatorin, die von den KDA im Laufe des Tages angeschnittenen Themen und Fragen zur Diskussion. In der Gruppe wurden sowohl allgemeine Probleme – Nutzen von Akquise, Qualitätssicherung, Nebenjobs in der Phase des Berufseinstiegs – als auch sehr spezielle Fragen – Vergütung von Mitschnitten, Berufswohnsitz für Dolmetscher bei den europäischen Institutionen – ausführlich diskutiert. Die Atmosphäre war geprägt von der Offenheit der Konferenzdolmetscher auf der einen Seite und dem Wissensdurst der Anwärter auf der anderen Seite, so dass ein konstruktiver Erfahrungsaustausch stattfand. Jeder KDA - und vielleicht auch einige KD? - konnte bereichert durch Anregungen, Ideen und Tipps nach Hause fahren. Dafür sei allen KD gedankt, und ebenso ein herzliches Dankeschön an Vivi Bentin für die gelungene Organisation und Moderation.
Nathalie Kunkel und Christine Grigull, Abdruck im VKD-Kurier Nr. 3/Oktober 2009
Kommentar hinzufügen