Englisch als B-Sprache - ein Weiterbildungsbericht aus London

In der ersten Augustwoche fand an der Londoner Westminster-Universität ein sechstägiger Intensivkurs für Konferenzdolmetscher mit englischem B statt. Organisiert wird er regelmäßig vom Team der dortigen Ausbilder, die selbst als Konferenzdolmetscher (bspw. bei EU und UNO) tätig sind.
Der Kurs umfasst unterschiedliche Elemente. Neben Simultandolmetschstunden gab es Kurse zum "English Enhancement" und zum Stimmtraining sowie zwei thematische Vorlesungen (zum englischen Rechtssystem und zur Entwicklung der englischen Sprache in der Gegenwart). Als touristisches Element wurde ein Besuch bei der Bank von England organisiert. Dieser war weniger langweilig als man glauben mag und bot sogar ganz aktuelle Informationen zu Krisenbekämpfungsmaßnahmen à la "quantitative easing".
Teilnehmen kann grundsätzlich jeder, es gibt weder eine Vorauswahl noch einen Einstufungstest. Unsere Gruppe bestand ausschließlich aus Teilnehmern, die als Dolmetscher arbeiten, mit mehr oder weniger umfangreicher Erfahrung. Viele arbeiten bereits ins Englische und wollten ihre Kenntnisse auffrischen und verbessern, andere suchten einen Einstieg ins Retourdolmetschen in die Sprache Shakespeares. Diese Heterogenität machte sich aber, zumindest in der deutschsprachigen Gruppe, kaum bemerkbar. Das hat sicher auch mit dem Unterrichtsansatz der Kollegen aus Westminster zu tun. Beurteilt werden nicht Dolmetschkompetenz und inhaltliche Vollständigkeit, sondern ausschließlich die Qualität des produzierten Englisch (Lexik, Grammatik, Stil usw.).
Damit zur Unterbringung. Ein Aufenthalt in London ist bekanntlich kein billiger Spaß, es sei denn, man hat Bekannte oder Freunde in der Stadt, bei denen man übernachten kann. Im Rahmen des Kurses werden von der Universität Westminster aber auch erschwingliche Übernachtungsmöglichkeiten im Studentenwohnheim angeboten, das im Sommer ja ohnehin leersteht. In meinem Fall lag das Wohnheim direkt an der U-Bahn-Station Baker Street, gegenüber von Madame Tussaud's: eine hervorragende und verkehrsgünstige Lage, die sich allerdings wegen des ständigen Verkehrslärms nicht für Menschen mit Einschlafproblemen eignet. Die Universität war per Bus, U-Bahn und sogar fußläufig sehr schnell zu erreichen. Das Wohnheim wurde vor wenigen Jahren komplett renoviert und hat einen guten Standard, der uneingeschränkt empfohlen werden kann.
Insgesamt kosteten die sechs Kurstage 1200 Euro - nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber man bekommt einen ordentlichen Gegenwert für sein Geld, insbesondere hervorragende und kollegiale Dozenten. Der Kurs bietet nebem dem Studieren auch eine sehr gute Gelegenheit, zu "netzwerken" und neue Kollegen aus der ganzen Welt kennenzulernen. Und nicht zuletzt hat London Kultur im Überfluss zu bieten.

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