Online-Marketing diesseits und jenseits der eigenen Website
Ein Bericht über das Seminar "Aktiv im World Wide Web" des Nachwuchsprogramms am 29.08.2010 in Frankfurt
„Guten Tag, mein Name ist Franziska Pieloth und ich bin seit fünf Jahren Facebook-abhängig." – Die augenzwinkernde Begrüßung zum Seminar "Aktiv im World Wide Web" im Anschluss an das Treffen der Teilnehmer des Nachwuchsprogramms verriet bereits, dass es ein Seminartag in lockerer und persönlicher Atmosphäre werden würde und dass die Seminarleiterin selbst voll hinter den Inhalten steht, die sie im Laufe des Sonntags vortragen würde.
Franziska Pieloth begann ihren Vortrag mit einer kurzen Einführung in die Themen Marketing und Internet und führte den Begriff "Beziehungsmanagement" ein, eine Marketing-Strategie des 21. Jahrhunderts: die Anbahnung und Pflege von Kontakten zwischen Unternehmer und Kunden. Das Internet könne beim Beziehungsmanagement helfen, so die These.
Als erstes Beispiel besprach sie mit den Teilnehmern Punkt für Punkt eine eigene Website für Sprachmittler und illustrierte ihre Aussagen anhand der Ergebnisse einer eigenen Umfrage zur Internetnutzung unter Übersetzern und Dolmetschern. Unterbrochen von technischen und anderen Fragen der Seminarteilnehmer zeichnete die Referentin nach und nach ein detailliertes Bild einer Website mit Startseite, Leistungen, persönlichen Informationen, Impressum und Kontaktmöglichkeiten. Immer wieder nahm sie Bezug auf die Umfrageergebnisse (Wie viel Prozent der Befragten halten ein Foto auf der Website für sinnvoll?) und diskutierte mit den Teilnehmern Pros und Contras von Referenzangaben oder Arbeitsproben auf der Website. Pieloth gelang es, grundsätzliche Tipps mit persönlicher Erfahrung und Empfehlungen zu verbinden; weder rechtliche Hinweise noch Ratschläge zum Design der Website oder zu technischen Kniffen fehlten. Zum
Abschluss des Vormittags folgte die Erörterung von Branchenverzeichnissen, Plattformen und speziellen Foren für Sprachmittler. Wer bis zu diesem Zeitpunkt nur zugehört hatte, nahm spätestens jetzt einen Stift zur Hand und notierte sich die noch unbekannten Verzeichnisse und Foren - denn es wurden einige genannt!
Der Nachmittag war dem Thema „Social Media Marketing“ gewidmet. Die Seminarleiterin erklärte, dass unter „Social Media“ Plattformen zum Austausch zwischen/über Personen verstanden würden, und dass die Nutzung dieser Plattformen für berufliche Zwecke als „Social Media Marketing“ bezeichnet würde. Beispielhaft seien an dieser Stelle Blogs, Twitter und Social Networks genannt. Rasch entspannen sich lebhafte Diskussionen, ob twittern und bloggen wirklich messbar und effizient zur Auftragsgenerierung nutze, ob und wie ein privater mit einem beruflichen Facebook-Account vereinbar sei und worüber freiberufliche Sprachmittler sinnvollerweise bloggen könnten. Im Raum stand außerdem die Frage, wie die gebotene Vertraulichkeit beim „dienstlichen“ Bloggen oder Twittern gewahrt werden könne. Franziska Pieloth ließ sich durch die skeptische Zurückhaltung einiger Seminarteilnehmer nicht beirren und veranschaulichte ihr Credo anhand eines existierenden
Dolmetscher-Blogs oder eines eigenen, über Twitter entstandenen Auftrags. Sie vergaß auch nicht, auf die Risiken von Internetplattformen hinzuweisen, etwa wenn unter den Google-Treffern eines Übersetzers an prominenter Stelle ein Blog zu finden ist, in dem der Übersetzer negativ bewertet wird.
Gegen Ende des Nachmittags brachte die Referentin noch kurz Wikis - Wissensplattformen, die gemeinsam von den Benutzern erstellt werden -, Video-, Foto- und Stadtportale und schließlich Podcasts und Slidecasts zur Sprache. Nicht jeder der Seminarteilnehmer beginnt vielleicht nach diesem Seminar zu bloggen, zu twittern und in sämtlichen Social Networks präsent zu sein; dennoch hat wohl jeder seinen Horizont zum Thema Online-Marketing erweitert und ein Bewusstsein für die vielen Möglichkeiten des Internets über eine Website hinaus gewonnen.
Nach Ende des Seminars dauerte es jedenfalls kaum einen halben Tag, bis der Verfasserin dieses Artikels etliche Kontaktanfragen anderer Seminarteilnehmer über eine Online-Plattform zugingen – ein erstes kleines Ergebnis des Seminars.
Christine Grigull
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